Dezember 8, 2021

Tourismus in Westeuropa: Eine Sammlung von Fallgeschichten

Richard Voase bietet eine interessante Sammlung von Fallstudien zur westeuropäischen Tourismusentwicklung. Die Fallstudien sind gut in drei thematische Bereiche gegliedert, basierend auf politischen, wirtschaftlichen und soziokulturellen Kontexten. Die Sammlung von Geschichten vermittelt Veränderungen in der Tourismusentwicklung und -praktiken und spiegelt wider, wie die Tourismusentwicklung nach neuen Wegen des Tourismusdenkens sucht. Voase kommt zu dem Schluss, dass touristische Erfahrungen von Reisenden Anzeichen einer aktiven Entscheidungsfindung mit passivem Konsum zeigen. Dieser Punkt lässt den Leser vermuten, dass Touristen „vorgefertigte“ Erlebnisse wählen, die kreativ konstruiert sind, jedoch durch umfangreiche Informationssuche und Entscheidungsfindung zugänglich sind.

Die Fallstudien werden von einer Vielzahl von Autoren mit starkem lokalen Bezug zu dem Ort verfasst, über den sie schreiben, was einen außergewöhnlichen Einblick in die Probleme der Tourismusbranche in Europa und Nordamerika ermöglicht (obwohl Nordamerika nicht im Mittelpunkt dieses Buches steht). Dieses Buch kann in einem Tourismusentwicklungskurs verwendet werden, um den Studierenden dabei zu helfen, aktuelle Themen im Tourismus (zB Umweltherausforderungen, Nachhaltigkeit, Naturschutzansätze) zu identifizieren und auf Definitionen und theoretischen Modellen im Tourismus aufzubauen.

In seiner Einführung vermittelt Voase, dass die Analyse oder Interpretation der Fälle auf politischen, wirtschaftlichen, soziokulturellen und technologischen Umgebungen basiert. Die Analyse erfasst die Multidimensionalität des Tourismusprodukts und die kulturellen und sozialen Faktoren, die sich auf aktuelle Ideologien beziehen und die die Entwicklung des Tourismus beeinflussen. Solche Ideologien beziehen sich auf vorherrschende postmoderne Ansätze, die das Verbraucherverhalten zu beeinflussen scheinen, das eher den erfahrungsbezogenen Konsum als die Produktionsprozesse von Produkten oder Dienstleistungen erfasst.

Das Buch besteht aus elf Kapiteln. Die ersten vier Kapitel werden unter dem Blickwinkel einer politischen Kontextanalyse angegangen. Das erste Kapitel von Meethan präsentiert die Rolle des Tourismusmarketings und der öffentlichen Politik in den Grafschaften Devon und Cornwall, England. Meethan kommt zu dem Schluss, dass für diese beiden Landkreise „Marketing ein Aspekt einer umfassenderen integrierten Politik war, die darauf abzielt, den Tourismus stärker in die regionale Wirtschaft einzubeziehen“, und diese Programme ohne die Finanzierung durch die Europäische Union (EU) nicht möglich gewesen wären. „Die Fälle von Devon und Cornwall zeigen auch, wie neue Organisationsformen als Reaktion auf umfassendere strukturelle Veränderungen entstehen.“

Kapitel 2 von Morpeth konzentriert sich auf die Rolle von Freizeit und Tourismus als politische Instrumente in Großbritannien in den 1980er Jahren. Zentrale und lokale Regierungen nutzten Freizeit- und Erholungspolitik als Erweiterung der Stadtpolitik, um die negativen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit und der strukturellen Probleme in England in den 1980er Jahren auszugleichen. Morpeth erörtert den Fall der Stadt Middlesbrough und die Rolle der Thatcherismus-Politik für die Stadt, die sich auf die Schaffung von Innenstädten und die Nutzung des Tourismus als Instrument zur Erneuerung konzentrierte.

Kapitel 3 von Voase erörtert den Einfluss des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Wandels in einem ausgereiften Touristenziel; die Isle of Thanet im Südosten Englands. Voase kommt zu dem Schluss, dass der Prozess der Politik, Planung und Entwicklung des Tourismus in einem ausgereiften Reiseziel nicht immer einfach ist. Die antagonistische Politik der an der Tourismusentwicklung beteiligten Akteure führte zu Inkonsistenzen bei der Entwicklung der Destination. Kapitel 4 von Robledo und Batle konzentriert sich auf Mallorca als Fallstudie für die Neubepflanzung der Tourismusentwicklung für ein ausgereiftes Reiseziel unter Verwendung des Produktlebenszykluskonzepts von Butler (1980). Als reifes Reiseziel braucht Mallorca eine nachhaltige Entwicklungsstrategie, um in Zukunft zu bestehen. Diese Anerkennung veranlasste das Tourismusministerium der Regierung der Balearen, eine angebotsseitige Regelung für den Tourismus zum Schutz der Umwelt zu erlassen. Dieser Plan ist jedoch, wie Robledo und Bade festgestellt haben, ein interessanter Fall des Kampfes zwischen verschiedenen Gruppen (dh Regierung, Umweltgruppen, Räte, Hoteliers, Bauindustrie), die ihre Interessen in der Tourismusentwicklung verteidigen. Voase identifiziert diese ersten vier Kapitel mit drei gemeinsamen Faktoren: die Rolle und das Zusammenspiel der lokalen Regierungsebenen bei der Formulierung und Umsetzung von Politik, die Rolle der Politik als Vehikel für die Förderung und das Management wirtschaftlicher Interessen und den starken Einfluss der Gesellschaft -kulturelle Faktoren. Während diese gemeinsamen Faktoren in den vorgestellten Fallstudien nicht direkt ersichtlich sind, füllt Voase diese Lücke mit seinen Schriften. Diese gemeinsamen Faktoren können eine weitere Diskussion darüber anregen, welche Rolle die Politik im Tourismus spielt und wie sich die Politik auf Forscher und Praktiker auf diesem Gebiet auswirken kann.

Der zweite Teil des Buches konzentriert sich auf den wirtschaftlichen Kontext des Tourismus und seine Nutzung als Regenerations- und Vermögensaufbauinstrument. Kapitel 5 von Lewis konzentriert sich auf zwei Agrarumweltprogramme, Tir Cymen und Tir Gofal, und wie sie den Zugang zu Freizeiteinrichtungen im ländlichen Wales beeinflussten. In diesem Kapitel wird dargestellt, wie diese Regelungen viele Veränderungen der landwirtschaftlichen Praktiken in Wales bewirkten. Diese Veränderungen wirkten sich positiv auf die Erholungsmöglichkeiten in der Agrarlandschaft von Wales aus und veränderten die Beziehungen zwischen „ländlichen und städtischen und neuen Anforderungen an den Zugang zum Land, die nun alle die Interdependenz von Umweltgesundheit, lokalen sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnissen und Zugang zu Land für Erholungszwecke widerspiegeln“.

Kapitel 6 von Lindroth und Soisalon-Soinimen beschreibt, wie in Loviisa, Finnland, ein historisches touristisches Produkt entwickelt wurde. Ziel der Tourismusentwicklung war es, Loviisa als historisches Reiseziel zu präsentieren und neue Produkte im Einklang mit dem historischen Thema zu entwickeln. Lindroth und Soisalon-Soinimen stellten fest, dass die Entwicklung ohne die Unterstützung des Fremdenverkehrsamtes sowie des Nationalen Amtes für Altertümer nicht wesentlich vorangekommen wäre. Auch die Finanzierung durch die Europäische Union half mit Schulungen und Expertenhilfe. Die am Prozess beteiligten Fachleute und Projektleiter prägten das Projekt durch ihr enthusiastisches Handeln, das in der Fallstudie detailliert beschrieben wurde.

Kapitel 7 von Bohn und Elbe beschreibt die Geschichte eines Mannes und wie seine Vision für die Gemeinde Alvdalen in Schweden die Stadt in ein Touristenziel verwandelte. Das wichtigste Element in dieser Geschichte ist, dass dieser Mann ein Reiseziel geschaffen hat, ohne ein Experte auf dem Gebiet der Tourismusentwicklung zu sein. Er nutzte den aktuellen Begriff des Beziehungsmarketings, um eine erfolgreiche Entwicklung zu erreichen, ohne seinen vollen Wert als Marketinginstrument zu kennen. Dieses Kapitel unterstreicht auch die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen den am Tourismus beteiligten Akteuren. Voase identifiziert Faktoren, die diese drei Fälle gemeinsam haben: die Rolle des einzelnen Unternehmers bei der Entwicklung des Produkts, der Verbrauch natürlicher Ressourcen und der Tourismus, der sich auf das Erbe der Vergangenheit konzentriert.

Der dritte Teil des Buches konzentriert sich in vier Fallstudien auf den soziokulturellen Kontext des Tourismus. Kapitel 8 von Finn diskutiert den Wandel des europäischen Fußballs vom Fansport zum Zuschauersport. Finn identifiziert aktuelle Sportmarketing-Ansätze, die ein Produkt oder eine Erfahrung konstruieren, bei denen die Identität der Fans nicht zu den aktuellen „zivilisierten“ Konsumprozessen passt, sondern die Identität der Zuschauer zu den Bildern und Verfahren passt, die von Sportvermarktern innerhalb und außerhalb des Fußballs gefördert werden Stadien.

Kapitel 9 von Baron-Yelles konzentriert sich auf den Tourismus und die Politik des naturnahen Tourismus und wie die „Grand Site National in La Point du Raz“ Veränderungen in den touristischen Angeboten und Infrastrukturen erfuhr, um den Anforderungen der Touristen gerecht zu werden. Der Leser kann Kompromisse zwischen natürlichen Ressourcen und der Bereitstellung von Tourismuserlebnissen beobachten.Diese Fallstudie zeigt auch, wie ein Reiseziel auf die Meinungen von Interessengruppen zu Küstenschutz, öffentlichem Zugang und zulässigen Besucherzahlen reagiert hat.

Kapitel 10 von Lohmann und Mundt beschäftigt sich mit den heranreifenden Märkten für den Kulturtourismus in Deutschland. Das Kapitel diskutiert, wie der Tourismus die Kultur durch den Erfahrungsaustausch zwischen Reisenden und Einwohnern einer Destination prägt. Reisen und Tourismus werden als Bestandteile von Kultur diskutiert. Lohmann und Mundt kommen zu dem Schluss, dass Reisen zu einem wichtigen Teil des Lebens der Menschen geworden sind und ihrerseits anderen Kulturen ausgesetzt sind, die ihre eigene beeinflussen können.

Kapitel 11 von East und Luger beschäftigt sich mit Jugendkultur und Tourismusentwicklung in den österreichischen Bergen. East und Luger teilen interessante Einblicke in die Reaktionen und Verhaltensanpassungen junger Menschen gegenüber Touristen. Sie berichten, dass Jugendliche, die über Familienunternehmen im Tourismus tätig sind, Touristen gegenüber tendenziell respektvoller sind. Es wurde festgestellt, dass Jugendliche in ländlichen Berggebieten an urbanen Erfahrungen interessiert sind.

Voase kommt zu dem Schluss, dass diese vier letzten Fälle drei zugrunde liegende Themen haben. Das erste Thema ist, dass das Konsumerlebnis inszeniert oder produziert wird. Dieses Thema erinnert an MacCannells (1976) Vorstellung von Realitäten vor und hinter der Bühne. Front Stage ist die Präsentation eines Reiseziels für Besucher, während Backstage die wahre oder wahre Natur eines Reiseziels ist. Das zweite Thema ist, dass Kommerzialisierung und Kommerzialisierung keine Synonyme sind. Das dritte Thema ist, dass Umgebungen oft manipuliert werden, um Menschen zu beeinflussen. Voase erklärt, wie sich das Sportumfeld verändert und auch die Zuschauer verändert haben.

Insgesamt ist dieses Buch für Praktiker und Wissenschaftler nützlich, da es Fallstudien von Personen mit engen Verbindungen zur Tourismusbranche bietet und somit eine Insider-Sicht bietet. Voase, sowohl als Praktiker im Resort-Tourismus-Marketing als auch als Akademiker, führt effektiv Fallstudien zusammen, die sich auf den westeuropäischen Tourismus konzentrieren, und vermittelt Konzepte, die „alte“ Tourismusprinzipien zu „neuen“ verschieben. Seine Einführungen in jede Sammlung von Fällen (dh wirtschaftliche, politische und soziokulturelle) sind aufschlussreich. Voase diskutiert jedoch nicht die Einführung der Euro-Währung im Januar 2002. Dies ist eine wichtige Änderung der Wirtschaftsstruktur aller Länder-Mitglieder der EU und ihrer soziokulturellen Entwicklung. Die Verbindung der EU-Länder durch die gemeinsame Währung könnte ein Gefühl einer größeren Gemeinschaft schaffen, was sich möglicherweise auf den Tourismus durch kulturelle, soziale, politische und wirtschaftliche Auswirkungen der EU-Mitgliedsländer auswirkt.

Schließlich ist Voases Schlussstück aufschlussreich. Seine Schlussfolgerungen identifizieren demografische, ökologische und Verbrauchertrends, die den Tourismus in Westeuropa im 21. Jahrhundert beeinflussen werden. Er kommt zu dem Schluss, dass eine alternde Bevölkerung, die globale Erwärmung sowie aktive und passive Verbrauchersegmente Elemente eines „neuen“ Tourismus sind. Alle drei Trends werden potenziell die zukünftige Forschung im Bereich Tourismusentwicklung und -marketing beeinflussen. Sowohl Wissenschaftler als auch Praktiker sollten sich dieser Trends bewusst sein. Voase als Praktiker und Akademiker leistet durch diese thematischen Fallstudien und die Identifizierung wichtiger Themen und Trends des Tourismus in Westeuropa einen bedeutenden Beitrag.



Source by Hoang Thang

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